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title: 'Der Durandl'
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date: '2026-09-21'
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Die Wilde Jagd 
# Der Durandl

Ein kleiner Waldgeist und Hüter der alten Glashütten.

 ![Der Glashüttengeist Durandl](https://www.lousnacht.de/user/media/durandl.jpg) 

Vor mehr als 600 Jahren war der bayerisch-böhmische Urwald noch kaum besiedelt. Bären, Wölfe und Luchse beherrschten die dichten Wälder. Erst mit den Glasmachern und ihren Aschenbrennern, Köhlern und Pocherleuten kamen mehr Menschen ins Waldgebirge - und mit ihnen, so erzählt es die Geschichte, auch die Waldgeister.

Einer von ihnen war der Durandl: ein kleiner, kugelförmiger Geist mit langen, zotteligen Haaren und kurzen Beinen. In den Bäumen hangelte er sich von Ast zu Ast, fiel wegen seines Gewichts aber immer wieder zu Boden. Im Winter machte ihm der tiefe Schnee zu schaffen. Schließlich wurde der kleine Waldgeist so traurig, dass er beschloss, den Wald zu verlassen.

Auf seiner Wanderung entdeckte er eine Glashütte. Durch die Hintertür gelangte er hinein und versteckte sich in der Schürgrube. Die Wärme des Schmelzofens gefiel ihm - ebenso das lustige Völkchen der Glasmacher. Der Durandl blieb. Nachts beobachtete er die Arbeit am Ofen und begann darüber nachzudenken, wie sich das Glas verbessern ließe.

Reichtümer besaß der kleine Gnom nicht. Keine Schatzhöhle, kein Gold und keine Edelsteine. Sein größter Schatz war sein wacher Verstand. Mit der Zeit lernte er die Geheimnisse der Glasschmelze kennen und gab sein Wissen an die Glasmacher weiter. Er zeigte ihnen, wie Rubinglasperlen gewickelt, das grüne Waldglas verbessert und helles, durchsichtiges Glas hergestellt werden konnte. Auch die Rezepte für farbige Gläser soll er den Glasschmelzern nachts zugeflüstert haben.

Doch mit dem Ende vieler alter Mundglashütten verlor auch der Durandl seine Heimat. Die vertrauten Schmelzöfen verschwanden und der Glashüttengeist galt schließlich als verschollen. Erst Jahrhunderte später sollte sich unterhalb des Lusen eine Geschichte zutragen, die seine Rückkehr erklärte.

Zu den Freinächten der Geister, den Losnächten, darf der Durandl seither nicht fehlen. Dann zieht auch der alte Glashüttengeist gemeinsam mit der Wilden Jagd durch die Dörfer.

## Der Durandl und die Lusenhütte

Vor mehr als 400 Jahren stand unterhalb des Lusen, auf rund 900 Metern Höhe, eine kleine Waldglashütte. Was dort einst hergestellt wurde, wusste niemand mehr. Archivalien über die sogenannte Lusenhütte waren nicht vorhanden. Ebenso wenig wusste man, ob dort vielleicht auch der Durandl seine Späße mit den Glasmachern getrieben hatte.

In den 1970er Jahren erzählte ein alter Glasmachermeister aus Riedlhütte von der verschwundenen Glashütte am Heilstoa - und davon, dass es an dieser Stelle manchmal geistern sollte. Bei eigenen Grabungen wurden tatsächlich Herdglasbrocken gefunden. Mitte der 1980er Jahre begann schließlich eine archäologische Ausgrabung.

Nach und nach kamen Scherben, Waldglasrömer, Butzenscheiben und Teile des alten Ofens zum Vorschein. Schließlich wurde der Schürkanal eines böhmischen Glasschmelzofens freigelegt. Als die Ausgräber immer weiter in den alten Kanal vordrangen, bewegte sich plötzlich etwas im Geröll. Ein Rauschen und Raunen war zu hören, dazu Zischen und Fauchen. Eine Staubwolke stieg auf - und aus dem Wald schien ein befreiendes Kichern und Lachen zu kommen.

Die Beteiligten konnten sich das Geschehen nicht erklären. Auch nach Ende der Arbeiten blieb das Gefühl, dass sich jemand in der Nähe der Grabungsstelle bewegte und etwas suchte. Für die Einheimischen und Glasmacher war die Sache dagegen klar: Der Durandl hatte vier Jahrhunderte im Schürkanal verbracht - und war nun wieder frei.

In den folgenden Nächten soll das seltsame Raunen und Rauschen erneut zu hören gewesen sein. Manche wollten zwischen den Bäumen einen kleinen Wicht mit langem Bart und roten Haaren gesehen haben. Immer wieder erklang sein Ruf: "Wo ist meine Hütte, ich kann sie nicht finden!"

Dem Ausgrabungsteam wurde das Treiben schließlich so unheimlich, dass die Überreste des alten Schmelzofens wieder mit Sand bedeckt und die Grabungsstelle versiegelt wurden. Den Durandl hielt das nicht auf. Noch heute, so erzählt es die Geschichte, sucht der Glashüttengeist nachts im Wald nach seiner verschwundenen Hütte und seinem Schmelzofen.

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