Die Wilde Jagd

Die Wilde Jagd

Am Anfang war die Wilde Jagd. Mit ihr nahm auch die Geschichte der Koishüttler Lousnachtgeister ihren Anfang. Rund fünfzig Masken vereinigen sich dabei zu einem wilden Tross aus Geistern und Sagengestalten - und werden gemeinsam zu jener unheimlichen Horde, von der seit langer Zeit in Sagen und Geschichten erzählt wird.

Der Überlieferung nach jagte die Wilde Jagd bei Sturm und mit ohrenbetäubendem Lärm durch die Lüfte. Schon die heidnischen Vorfahren brachten das Geisterheer mit seinen heerführenden Göttern in Verbindung. Mit der Christianisierung veränderte sich die Vorstellung: Nun glaubte man, in der Wilden Jagd die Geister unbarmherziger Menschen zu erkennen, die zu Lebzeiten Mensch und Tier nichts Gutes getan hatten. Zur Strafe sollten sie zwischen Himmel und Erde gefangen sein und niemals Ruhe finden.

Weit verbreitet war auch der Glaube, der Teufel selbst treibe dieses rastlose Heer durch die Lüfte. Mit seinem Gefolge sei er stets auf der Suche nach Gleichgesinnten gewesen, die er in seine Wilde Jagd aufnehmen konnte. Entsprechend groß war die Furcht vor einer nächtlichen Begegnung. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man das Haus besser nicht mehr verlassen.

Nicht jeder hielt sich daran. Besonders die Mannsbilder, die trotz aller Warnungen nicht auf ihren Wirtshausbesuch verzichten wollten, gerieten den Geschichten zufolge auf dem Heimweg immer wieder in die Nähe der Wilden Jagd. Dann blieb als letzte Rettung nur, sich flach auf den Boden zu werfen und mit überkreuzten Händen auf der Brust auszuharren. Mit etwas Glück brauste das wilde Heer über einen hinweg. Wer weniger Glück hatte, musste sich ihm der Überlieferung nach für lange Zeit anschließen.

Heute bildet die Wilde Jagd den schaurigen Höhepunkt der Koishüttler Lousnacht. Hexen, Teufel, Untote, Lusengeier und Gestalten halb Mensch, halb Tier vereinigen sich zu einem wilden Finale.