Mit dem Räuber Heigl verlassen die Koishüttler Lousnachtgeister das Rachel- und Lusengebiet und folgen einer Geschichte zum Kaitersberg. Dort lebte Michael Heigl, dessen Lebensgeschichte eng mit einer Zeit großer Armut und Not im Bayerischen Wald verbunden ist.
Michael Heigl wurde im August 1816 als Sohn eines Tagelöhners geboren und wuchs in Beckendorf, dem heutigen Bad Kötzing, unter schwierigen Bedingungen auf. Schon als Junge musste er als Hütejunge zum Lebensunterhalt beitragen. Später begann er in Furth im Wald eine Schlosserlehre.
Vom Handwerker zum Verfolgten
1841 nahm sein Leben eine entscheidende Wendung. Nachdem er den Opferstock einer Kirche aufgebrochen und die Münzen an sich genommen hatte, wurde er festgenommen und unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Weitere Konflikte mit dem Gesetz folgten. Als er später als fahrender Händler ohne Gewerbeschein unterwegs war, wurde er erneut verhaftet und nach Straubing gebracht. Noch bevor es dort zum Prozess kam, gelang ihm 1843 durch einen Sprung aus einem Fenster die Flucht.
Von nun an lebte Heigl als Verfolgter. In den folgenden Jahren machte er sich als Räuber einen Namen und war im Raum Viechtach und Kötzing unterwegs. Weil er vor allem wohlhabende Bauern und Geistliche bestahl, genoss er bei Teilen der Bevölkerung Sympathie. So entstand das Bild eines „Robin Hood des Bayerischen Waldes“.
Die Höhle am Kaitersberg
An seiner Seite stand die Rothe Res aus Gotzendorf. Sie besuchte ihn in seinem Versteck und lebte zeitweise mit ihm in einer Höhle unterhalb des Kreuzfelsens am Kaitersberg. Dort verbarg Heigl auch seine Beute. Wurden seine Verfolger zu gefährlich, wich er nach Böhmen aus; auch ein mehrjähriger Aufenthalt in Ungarn ist in der Vorlage erwähnt.
1853 wurde Heigl schließlich von einem früheren Gefährten verraten und in seiner Höhle von der Königlich-Bayerischen Gendarmerie festgenommen. Ein Jahr später verurteilte man ihn zum Tod durch Enthauptung. Nach einem Gnadengesuch wandelte König Max II. die Strafe in lebenslange Kettenhaft um.
Ein frühes Ende
Sein Ende kam dennoch früh. Nach seiner Verlegung vom Zuchthaus Straubing in das Gefängnis in der Au in München geriet Heigl mit einem Mitgefangenen in Streit. Dieser erschlug ihn mit der Eisenkugel, die er am Fuß trug. Michael Heigl starb 1857 in München - in der Überlieferung des Textes als „Volksheld der Armen“.
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