Auch der Bayerische Wald blieb von Hexenverfolgungen und Hexenprozessen nicht verschont. Prozessdokumente der Gerichtsbarkeiten Fürsteneck und Bärnstein berichten von Menschen, denen ein Bund mit dem Teufel vorgeworfen wurde.
Der Verdacht traf häufig Menschen, die innerhalb der Dorfgemeinschaft als Außenseiter galten oder sich nach damaliger Vorstellung ungewöhnlich verhielten. Selbst das äußere Erscheinungsbild konnte ausreichen, um jemanden als Hexe zu verdächtigen. Ein krummer Gang, ein auffälliges Geschwür oder andere körperliche Merkmale wurden mitunter als Zeichen eines Paktes mit dem Teufel gedeutet.
Die überlieferten Prozessakten zeigen, wie tief dieser Glaube verwurzelt war. Den Beschuldigten wurden unheimliche Kräfte, die Verhexung von Menschen und Tieren und der persönliche Umgang mit dem Teufel vorgeworfen. Zeugenaussagen, Gerüchte und vermeintlich verdächtige Gegenstände konnten dabei schwer wiegen.
Die Koishüttler Hexen greifen diese dunklen Überlieferungen auf. Hinter ihren Masken stehen damit nicht nur Geschichten von Hexen und Teufeln, sondern auch Erinnerungen an Menschen aus der Region, die tatsächlich der Hexerei beschuldigt und dafür verfolgt wurden.
Die Hex von Wittersitt
Eine der bekanntesten Überlieferungen führt nach Wittersitt bei Perlesreut. Dort lebte um 1703 die Dienstmagd Afra, die der Hexerei beschuldigt wurde. Ein im Pfarrhof zu Röhrnbach erhaltenes Protokoll berichtet ausführlich von den Aussagen der angeklagten Frauen und der vernommenen Zeugen.
Afra stand im Dienst eines Bauern in Wittersitt. Vorgeworfen wurden ihr Giftmord, die Verhexung von Mensch und Tier, Verbindungen zu anderen vermeintlich verhexten Personen und der Umgang mit dem Teufel. Gemeinsam mit ihr wurden ein dreizehnjähriges Hütermädchen namens Maria und die Bäuerin Maria Kölbl von Neidberg beschuldigt.
Die drei Frauen wurden in der Fronfeste zu Perlesreut gefangen gehalten und im Februar 1703 mehrfach befragt. Afra musste insgesamt 42 Fragen beantworten. Dabei machte sie Aussagen, die sie selbst schwer belasteten. Sie erzählte von Begegnungen mit dem Teufel, von verzauberten Kühen, nächtlichen Ritten auf einer Gabel, geheimen Gelagen und der Verwendung von Hexensalbe.
Auch Zeugen wurden vernommen. Ihre Aussagen reichten von verhextem Vieh und Milch bis hin zu einem feurigen Drachen und vermeintlich unsittlichem Verhalten. Ein abschließendes Urteil konnte laut Vorlage nicht aufgefunden werden. Die Überlieferung geht jedoch davon aus, dass Afra als Hexe verbrannt wurde. Die Hinrichtung soll auf einem Hügel in der Nähe von Schloss Fürsteneck stattgefunden haben.
Afra soll die letzte Frau gewesen sein, die im Fürstbistum Passau wegen Hexerei auf dem Scheiterhaufen sterben musste.
Afra Dick und die Rauhnacht
Neben den Prozessakten blieb auch eine Sage über die Hex von Wittersitt erhalten. Sie erzählt von einer Rauhnacht auf dem Hof des Frueth-Hansl, bei dem Afra als Dienstmagd gearbeitet haben soll.
Die Hofleute saßen beisammen und wuschen sich für die Fußräucherung die Füße. Afra fragte die große Dirn, ob sie einmal heiraten wolle. Als diese bejahte, forderte Afra sie auf, sich einen Mann auszusuchen - und zeigte auf das Fußwasser.
Darin erschienen plötzlich die Gesichter verschiedener Burschen. Einer gefiel der Großmagd besonders gut. Sie zeigte auf ihn und erklärte, genau diesen wolle sie haben.
Da sprang die Gestalt aus dem Wasserschaffel und biss der jungen Frau so heftig in den Finger, dass dieser zu bluten begann. Der vermeintliche Bursche entpuppte sich als der leibhaftige Teufel. Mit dem Blut der verletzten Dirn schrieb er den Namen Afras in sein Büchlein und verschwand.
Für die Menschen auf dem Hof war damit jeder Zweifel beseitigt: Afra musste tatsächlich eine Hexe sein. So verband sich die historische Erinnerung an den Hexenprozess mit einer Sage, die über Generationen weitererzählt wurde.
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