Vor rund 200 Jahren trat beim Draxlerbauern in Waldhäuser eine Dienstmagd namens Emerenz Lallinger ihren Dienst an. Sie stammte aus einem kleinen Dorf im Rottal und sprach nie über ihre Eltern oder Geschwister.
Schon bald bemerkte der Bauer Merkwürdiges. Seine Pferde wurden immer schwächer und fraßen kaum noch. Bei genauerer Untersuchung entdeckte er Mistelzweige, die in ihre Mähnen eingeflochten waren. Einige Nächte lang versteckte sich der Draxler daraufhin im Pferdestall.
Am Karfreitag um Mitternacht erschien Emerenz mit neuen Mistelzweigen und flocht sie unter Verwünschungen erneut in die Mähnen der Tiere. Der Bauer erwischte sie dabei und jagte die Magd noch in derselben Nacht vom Hof.
Nach langem Umherirren fand Emerenz Unterschlupf in einer Rasthütte der Salzsäumer unterhalb des Lusen. Sie lebte von Beeren, Pilzen und gefangenem Wild und stahl gelegentlich bei den Bauern in Waldhäuser eine Gans oder ein Huhn. Wenn Säumer kamen, versteckte sie sich im Dickicht.
Eines Tages wurde sie jedoch von einem einzelnen Säumer überrascht. Emerenz täuschte eine Krankheit vor und legte dem Mann im richtigen Moment eine Rehschlinge um den Hals. Sie erdrosselte ihn, nahm sein Pferd und verschwand in den Wäldern zwischen Rachel und Lusen. Bevor der Mann starb, soll er mit seinen Fingernägeln den Namen „Emerenz“ in den Lehmboden geritzt haben.
Nach einer längeren Suche wurde Emerenz in der Nähe des Teufelslochs gefangen. Der Grafenauer Richter verurteilte sie zum Tod durch Ertränken in der Martinsklause. Das Urteil wurde von einem Scharfrichter aus Winterberg vollstreckt.
Seitdem wurde Emerenz Lallinger von den Einheimischen als Lusenhexe oder Hexe vom Lusenberg bezeichnet. Ihre Seele, so die Überlieferung, wurde nie von einem Geistlichen freigesprochen. Deshalb soll man in den Rauhnächten noch immer die Hufe des gestohlenen Pferdes hören - begleitet von unmenschlichem Heulen und Jammern auf dem Lusenberg.
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