Die Wilde Jagd

Die Blutige Luzier

Die Schreckgestalt der Luzinacht zwischen Heiliger und Dämonin.

Die Blutige Luzier

Der 13. Dezember ist seit dem frühen Mittelalter der Heiligen Luzia gewidmet. Doch im alten Volksglauben war dieser Tag nicht nur mit der christlichen Heiligen verbunden. Bevor sich der gregorianische Kalender durchsetzte, galt er als kürzester Tag des Jahres, gefolgt von der längsten Nacht. Eine Nacht, in der nach den Vorstellungen der Menschen auch Dämonen und Schreckgestalten ihre ganze Kraft entfalten konnten.

So verschmolzen christlicher Glaube und ältere Vorstellungen zu einer vollkommen anderen Luzia: der Luzier. Während die Heilige Luzia als Patronin bei Augenkrankheiten verehrt wurde, entwickelte sich die dämonische Luzia in Niederbayern zu einer gefürchteten Schreckgestalt.

Vor allem Kinder kannten die Warnung vor der Luzier. Waren sie in den Tagen um den 13. Dezember besonders wild und unfolgsam, hieß es, die Luzier gehe um. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie am Vorabend des Luzientages in den Stuben erwartet. Anders als der Heilige Nikolaus brachte sie jedoch keine guten Gaben. Mit Wetzstein und Sichel drohte sie den unfolgsamen Kindern, ihnen den Bauch aufzuschneiden und diesen mit Steinen und Glasscherben zu füllen.

Trotz aller Angst gehörte ihr Besuch zu den Ereignissen der langen Winterabende. Die Kinder warteten mit Spannung in der vermeintlich sichersten Ecke der Stube. Um die in Weiß gekleidete Gestalt milde zu stimmen, stellte man ihr Schmalzgebackenes und Milch bereit. Berühren durfte man sie keinesfalls - sonst, so die Warnung, griff sie zur Sichel.

Wenn die Luzier das Haus schließlich wieder verließ, hieß es: „s’Luzei verlasst’s Haus mit am Küberl voll Bluad und an Schwingerl voll Darm.“

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