Die Wilde Jagd

Die Drud

Der gefürchtete Nachtmahr der Sagenwelt des Bayerischen Waldes.

Die Drud

In den alten Sagen und Geschichten des Bayerischen Waldes taucht immer wieder eine besonders gefürchtete Gestalt auf: die Drud. Im Volksglauben galt sie als weiblicher Nachtmahr, der nachts in die Schlafkammern eindrang, sich auf die Brust eines Menschen setzte und ihm den Atem nahm. Wer am Morgen von einer solchen Nacht erzählte, sagte: „Heit Nacht hod mi de Drud druckt.“

Dabei dachte man bei der Drud nicht an eine einzelne Gestalt. Nach damaliger Vorstellung konnten Menschen, die tagsüber vollkommen unauffällig im Dorf lebten, nachts von einem unüberwindbaren Zwang erfasst werden, Mensch und Tier zu quälen. Selbst bestimmte äußere Merkmale glaubte man als Hinweise erkennen zu können - etwa zusammengewachsene Augenbrauen, einen buckligen Gang oder ein loses Mundwerk.

Besonders in den Rauhnächten begann die Stunde der Druden. Verschlossene Türen boten keinen Schutz, denn der abgespaltene Geist sollte selbst durch die kleinste Ritze in eine Kammer gelangen können. Deshalb versuchten die Menschen, sich mit Weihwasser, Drudensteinen, Drudenmessern und Drudensternen zu schützen. Noch heute lassen sich solche als Pentagramme eingeritzten Zeichen an alten Häusern im Bayerischen Wald finden.

Es gab aber noch eine andere Möglichkeit, die Drud zu entlarven. Wer während ihres nächtlichen Besuchs den Mut aufbrachte, ihr zu sagen, sie solle am nächsten Tag wiederkommen und etwas ausleihen, konnte angeblich herausfinden, wer hinter dem Nachtmahr steckte. Denn am folgenden Tag sollte genau diese Person vor der Tür stehen.

Bei der Koishüttler Lousnacht gehört die Drud zu den Hauptmasken - und lässt damit eine der unheimlichsten Gestalten des alten Volksglaubens wieder lebendig werden.

Die Drud am Girglhof

Eine der überlieferten Geschichten führt zum Girglhof am Spitzberg. Wenn die Drud dort nachts zum „Drücken“ ging, soll sie ihren eigenen Leib draußen am Zaun vor dem Hoftor zurückgelassen haben.

In einer Nacht schlief ein Schmiedgesell in seiner Kammer. Plötzlich spürte er die Drud auf seiner Brust. Sie war so schwer wie ein Amboss und nahm ihm beinahe den Atem. Zunächst konnte er sich nicht gegen sie wehren. Dann griff er auf seine Brust und bekam einen ausgedroschenen Strohhalm zu fassen.

Augenblicklich wurde ihm leichter ums Herz. Der Schmied sprang aus dem Bett, nahm den Halm mit in seine Werkstatt und klemmte ihn in einen Schraubstock.

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, wartete dort eine Überraschung auf ihn: Statt des Strohhalms fand er ein altes, verrunzeltes Weiblein vor, dessen Haare im Schraubstock festsaßen. Jammernd bat es den Schmied, es wieder freizulassen.

Der öffnete schließlich das Tor - und trieb die entlarvte Drud mit einem Prügel davon.

Die Drud in Rotsaifen

Ein Bauer aus Rotsaifen prahlte gerne damit, dass er sich vor keinem Geist fürchte und es mit jedem aufnehmen würde. Eines Nachts bekam er Gelegenheit, seinen Mut unter Beweis zu stellen.

Während er schlief, kroch ein dünnes Wesen durch das Schlüsselloch seiner Stube. Vor seinen Augen wurde die Gestalt immer größer und breiter, näherte sich seinem Bett und wollte sich über ihn hermachen. Doch der Bauer schreckte auf, bekam ein Messer zu fassen und stach nach dem Wesen. Die Gestalt verschwand.

Damit war die Sache allerdings nicht ausgestanden. Nacht für Nacht kam die Drud zurück. Schließlich versteckte sich der Bauer unter seinem Bett und wartete auf sie. Als sie sich erneut über seine Schlafstätte beugte, um ihn zu drosseln, stieß er ihr von unten sein Messer entgegen. Winselnd ergriff die Drud die Flucht.

Wenige Tage später starb die Frau des Bauern. Bald darauf starb auch die Wirtschafterin, die er sich genommen hatte. Das Haus bekam einen schlechten Ruf und wurde von den Menschen noch lange Zeit gemieden.

Die Drud von Sankt Katharina

Auch aus Sankt Katharina ist eine Geschichte über die Drud überliefert. Dort wurde eines Nachts ein Musikant von ihr heimgesucht. Nachdem es ihm gelungen war, den Nachtmahr von sich abzuschütteln, gab er der Drud einen klaren Auftrag mit auf den Weg: Am nächsten Morgen sollte sie wiederkommen und sich Zündhölzer ausleihen.

Tatsächlich erschien am folgenden Tag ein alter Junggeselle im Haus und bat um ein paar Zündhölzer. Für den Musikanten war damit klar, wer ihn in der Nacht besucht hatte.

Wie ernst die Menschen diese Vorstellung nahmen, zeigt eine weitere Begebenheit aus derselben Geschichte. Die Frau des Musikanten wollte eines Morgens zu einem Nachbarn gehen, um sich eine Hacke auszuleihen. Ein Vetter hielt sie davon ab: Der Nachbar sei in der vergangenen Nacht von der Drud gedrückt worden und warte nun darauf, dass jemand zu ihm komme, um etwas auszuleihen.

Die Frau verzichtete daraufhin lieber auf die Hacke und kehrte schleunigst nach Hause zurück.

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